Просим Ваших молитв! О здравии: Святейшего Патриарха Кирилла, митрополитов Пантелеимона, Исидора, Игнатия, Кирилла, Викентия, Даниила, Георгия, Иосифа, Филарета, Александра, Феодосия, архиепископов Евгения, Зосимы, Марка, епископов Максима, Тихона, Сергия, Германа, Феогноста, схиархимандрита Илия архимандрита Олега, игумена Стефания, протоиереев Александра, Александра, Димитрия и Георгия, иеромонахов Иоанна Михаила и Диомида, иереев Вячеслава, Андрея, Андрея, рабов Божиих Тамары, Андрея, Александра, Александры, Ксении, Костаса, Елизаветы, Антония, Георгия, Елены, Валерия, Екатерины, Георгия, Екатерины, Наталии, Людмилы, Константина, Юрия, Валентины, Василия, Екатерины, Татианы, Василия, Екатерины, Димитрия, Татианы, Елены, Ольги, Николая, Никиты, Анны, Надежды, Елизаветы, Алексея, Наталии, Андрея, Николая, Михаила, Николая, Лидии, Георгия, Александра, Николая, Николая, Михаила, Андрея, Пантелеимона, Павла, Елизаветы, Марии, Никиты, Илии, Татианы, Петра, Георгия, Бориса, Сергия, Сергия, Александра, Николая, Николая со братией. Об упокоении душ рабов Божиих: Юрия, Галины, Александра, Татьяны, Валентины, Димитрия, Евдокии, Леонида, Анны, Александры, Анны, Татьяны, Василия, Иоанна, Димитрия, Татьяны, Леонида, Димитрия, Веры, Ларисы, Ксении, Якова, Василия, Пелагии, Варвары, Димитрия, Григория, Иоанна, Параскевы, Георгия, Андрея, Надежды, Иоанна, Владимира, Георгия, Елены, Екатерины, Елисея, Матвея, Татьяны, Иоанна, Тараса, Степана, Михаила, Герасима, Григория, Емельяна, Поликарпа, Филиппа, Панфила, Андрея, Анны, Николая, Агапа, Евстрата, Сергия, Аскольда, Марии, Надежды, Константина, Олимпиады, Анны, Марии, Клавдии, Петра, Леонида, Димитрия, Николая, Александра, Андриана, Димитрия, Марии, Тимофея, Григория, Ефросиньи, Иоанна, Ирины, Михаила, новопреставленных Германа и Александра и всех их прародителей и усопших сродников до праотца Ноя.
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Wohltätigkeit in Russland
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Über die Wohltätigkeit

"Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten,

einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel,

wo kein Dieb hinkommt, und den keine Motten fressen"

(Lukas 12,33)

Die Barmherzigkeit als Eigenschaft der Menschenseele und die Wohltätigkeit als Facette des menschlichen Benehmens beruhen auf dem religiösen und vor allem christlichen Fundament. In Zeiten der Gottlosigkeit wurde dies in Russland verschwiegen und selbst die Idee der Wohltätigkeit praktisch verboten. Der Begriff "Wohltätigkeit" wurde im vierbändigen "Wörterbuch der russischen Sprache" (herausgegeben 1935-1940) unter Redaktion des korrespondierenden Mitgliedes der sowjetischen Akademie der Wissenschaften Dmitrij Uschakovs kurz als "materielle Hilfe an arme Leute" erläutert und in Klammern mit einem schamhaften Vermerk "veraltet" versehen.

 

Die offizielle Ideologie wollte den Gedanken austilgen, dass es im Lande des "siegreichen" und später des "entwickelten" Sozialismus arme Menschen gibt, die Hilfe und Unterstützung der Wohltäter brauchen. Deswegen wurde die Wohltätigkeit als erniedrigend und veraltet abgestempelt, und alle Almosen und Spenden, breiter gesehen - das gesamte soziale Tun der orthodoxen Gemeinden und unserer Kirche samt mannigfaltigen Wohltaten als illegal betrachtet und zwanghaft unterbunden.

Erst nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes durfte in unserem Land die humane Wohltätigkeitsidee ihre Wiedergeburt erleben. Das gültige Föderale Gesetz der Russischen Föderation "Über Wohltätigkeit und wohltätige Organisationen" vom 7. Juli 1995 versteht unter Wohltätigkeit "freiwillige Handlungen natürlicher und juristischer Personen zu einer uneigennützigen (unentgeltlichen oder zu vergünstigten Bedingungen) Übergabe von Vermögen und Eigentum inklusive Finanzmittel an natürliche und juristische Personen, zu einer uneigennützigen Ausführung von Arbeiten oder Erbringung von Leistungen, Gewährung sonstiger Hilfe und Unterstützung".

Gläubige Menschen sehen in der Wohltätigkeit die direkte Verwirklichung des Gebotes unseres Herrn Jesu Christi: "tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,35-36). Jesus sagt: "Geben ist seliger denn Nehmen" (Apostelgeschichte 20,35).

Die Lehre Jesu, Seine Gebote, Sein eigenes Dienen den Menschen sind von Nächstenliebe und brüderlicher Sorge erfüllt. Das Christentum nimmt sich die Barmherzigkeit Christi zum Vorbild: "wurde er doch arm um euretwillen" (2.Korinther 8,9), "kam für uns auf die Erde, duldete Leiden und Qualen, damit wir um das Erbe des Gottes reicher werden", sagt der heilige Kirchenvater Gregor der Theologe.

Der höchste Ausdruck der Barmherzigkeit und Wohltat des Herrn ist Sein heiliges Gebet am Kreuz für seine Feinde (Lukas 23.34). Unter verschiedenen Wundern unseres Herrn Jesu Christi, niedergeschrieben von Seinen heiligen Jüngern-Evangelisten, nehmen die Wunder der Wohltätigkeit einen ganz besonderen Platz ein.  Dazu gehören ohne Zweifel alle von Jesu vollbrachten Heilungen, die wunderbare Brotvermehrung, das erste Wunder der Verwandlung auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa.

Die Herzensgüte den Menschen gegenüber, das Bestreben, Menschen Gutes zu bringen, sind auch in anderen Wundertaten Christi zu sehen. Er heilte Blinde und sättigte viele Völker. Er lehrte Lebende und erweckte Tote, jeder Seiner Taten lagen Seine tiefe Liebe und Sein Mitleid zugrunde. Wie viel Liebe und Menschensorge finden wir in der Wundergeschichte über die Speisung der Fünftausend, die von allen Evangelisten wiederholt wird (Matthäus 14,15-21, Markus 6, 34-44, Lukas 9, 12-17, Johannes 6, 5-14). In diesem heiligen Wunder kommt die Sorge des Herrn um das Nötigste, um das körperliche Wohlbefinden deutlich zum Ausdruck. Später verstehen wir, dass Seine wahre Sorge der geistige Zustand und die geistigen Bedürfnisse der Menschen waren.

Wunderbare Speisung der Fünftausend.
Johannes 6, 5-14

In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass in der Kirche Christi das Gebet und das Geben von Almosen von Anfang an untrennbar waren. So sagt Paulus: "An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, so viel ihm möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme." (1.Korinther 16,2)

Es kam eine arme Witwe in den Tempel zu Jerusalem und legte zwei Scherflein ein; das waren die kleinsten Münzen. Und der Herr spricht ihr den höchsten Lob aus: "Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben" (Markus12, 43).

"Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und
brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset;
das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte,
gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;  das ist
mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur
Vergebung der Sünden".
(Matthäus 26,26-28)

Unser Herr schätzt diese Spende höher ein, als alles, was alle zusammen, was die Reichen gegeben haben, "denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte" (Markus12, 44).

Viele Reiche kamen in den Tempel und legten viel Geld ein, doch waren ihre Spenden klein und vorsichtig, da sie nichts riskierten. Sie legten Goldmünzen in den Gotteskasten ein und berechneten dabei sorgfältig, was ihnen zum Leben, zu einem üppigen Leben bleibt. Da sagt aber unser Herr: "Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten" (Markus 8,35).



War aber die arme Witwe von Sarepta im Gebiet von Sidon anders, die sagte: "Ich habe eine Handvoll Mehl und ein bisschen Öl im Krug. Ich gehe und bereite ein Mahl für mich und für meinen Sohn; wir werden essen und sterben", und dann alles, was sie hatte, dem Propheten gab? Das war eine Gabe, die zum Tode führt, sie hat damit ihre ganze Habe, sich selber geopfert. Darum geht es. Zwei Witwen haben ihr Leben riskiert, sich furchtlos voll und ganz dem Gotte anvertraut. Die erste war wunderbar belohnt - bei ihr konnte Mehl nie aufgebraucht werden und Öl im Krug nahm nie ab. Die zweite war nicht weniger wunderbar belohnt: sie hat den Lob Christi verdient. Wenn wir diese zwei Frauen sehen, wie können wir nicht darüber nachdenken, was der Herr vollbringt? Er opfert freiwillig alles, was Er besitzt, Er gibt Sein Leben hin. "Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es" sagt Er (Johannes 10, 18).  Im Evangelium des Markus ist diese Begegnung mit der armen Witwe neben dem Gotteskasten das letzte Ereignis im Tempel vor dem Leidensweg Christi. So verkündet die Gabe zweier Witwen das Opfer des Gottessohnes.



Wo liegt unser Überfluss? Wo ist das Nötige zum Leben? So lautet die Frage - denn vor Gesicht Gottes wird unsere Lebensqualität an der Qualität unserer Gaben bemessen. Vom Überfluss geben bedeutet manchmal Nichts gegeben zu haben. Damit kann man den Herrn nicht beeindrucken. Die geringste Spende wird aber wichtig, wenn wir das Notwendige geben, was für uns lebenswichtig ist, wenn wir einen Teil von uns und uns selbst ganz hingeben. In der Liturgie spricht Christus zu uns: "Nehmet, esset; das ist mein Leib" (Matthäus 26,26)
Der Herr gibt sich für uns hin, lässt Sein Leben zur Vergebung unserer Sünden. Beim Abendmahl werden wir des kostbaren und heiligen Leibes und Blutes unseren Herren und Gottes und Heilandes Jesus Christus teilhaftig - der höchsten Gabe auf Erden. Sind wir aber bereit, Ihm unser Leben hinzugeben? Sind wir bereit nicht nur den Überfluss, sondern das ganze Leben hinzugeben?

Ob vom Gott jedes Opfer entgegengenommen wird? Die Antwort auf diese Frage finden wir bei dem Abba Dorotheus, dessen Werke in Russland sehr gut bekannt und für viele orthodoxe Gläubige das beliebte Lesen waren. Unter verschiedenen Belehrungen, Briefen und Antworten Dorotheus ist besonders seine Vierzehnte Belehrung "Über die Errichtung und Gestaltung des Seelenhauses der Tugenden" zu erwähnen. Abba Dorotheus setzt  die Errichtung dieses Hauses dem Werk eines geschickten und geduldigen Baumeisters gleich und warnt vor der Gefahr, das sorgfältig gebaute Haus eigenhändig zu vernichten.

Er spricht davon, wie zerstörend Ruhmsucht, Eitelkeit und das Fehlen von Demut bei Wohltaten wirken: "Da kommt zum Beispiel ein Bruder und sagt dir ein beleidigendes oder betrübendes Wort; wenn du darauf geschwiegen und sich vor ihm verbeugt hast, hast du somit einen Baustein gelegt. Dann gehst du zu einem anderen Bruder und sagst ihm: "Der und der hat mich geärgert, und mir das und das gesagt, und ich habe darauf nicht nur geschwiegen, sondern mich vor ihm auch verbeugt". Du hast also zuerst einen Baustein gelegt, zwei Bausteine aber abgenommen. Da verbeugt sich wieder einer, um dadurch Lob zu verdienen, und in ihm erweist sich Demut vermischt mit Ruhmsucht: das bedeutet, einen Baustein gelegt und wieder genommen zu haben".



Dem Abba Dorotheus gehört eine sehr wichtige Überlegung, wo er die Wohltaten danach unterscheidet, in wie weit eine Wohltat dem Willen Gottes entspricht, ob sie wahrhaftig nach Wort des heiligen Apostels Paulus "ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist" (Römer 12, 2). "Einander lieben, Mitleid empfinden, Almosen geben und Ähnliches" bedeutet nach seinen Worten, den guten Willen Gottes erfüllen. Dem wohlgefälligen Willen Gottes wird nur der entsprechen, "wer Wohltaten nicht aus irgendeinem menschlichen Antrieb, sondern nur um des Guten willen, aus reinem Mitleid vollbringt". Dem vollkommenen Gotteswillen wird nur der entsprechen, wer Almosen nicht mit Geiz, Faulheit und unter Zwang, sondern mit seiner ganzen Kraft und nach seinem Gutdünken gibt, der so spendet und Wohltaten vollbringt, als sei er selbst Empfänger dieser Spende und Ziel dieser Wohltaten.

Nach wichtigen Hinweisen auf wahre Ziele und Beweggründe der Wohltaten spricht Abba Dorotheus den kostbaren Gedanken aus, dass die Wohltätigkeit vom Vermögen des Menschen letzten Endes unabhängig ist, und führt eine umfassende Skala mannigfaltiger Wohltaten an: "Keiner darf sagen: "ich bin mittellos und nicht fähig, Almosen zu geben"; wenn du nicht so viel geben kannst, wie viel die Reichen in den Gotteskasten eingelegt haben, spende zwei Scherflein wie die arme Witwe, und Gott wird das von dir mit mehr Freude empfangen, als die Gaben der Reichen. Wenn dir sogar die zwei Scherflein fehlen, bist du vielleicht kräftig genug und kannst deinem kranken Bruder dienen. Taugst du auch dazu nicht? Dann kannst du deinen Bruder mit Worten trösten, zeige ihm Gnade durch dein Wort und hör auf das Gesagte: "Ist das Wort nicht mehr wert als die Gabe?" (Das Buch Jesus Sirach 18, 17). Wenn du sogar mit keinem Wort helfen kannst, dann kannst du, wenn dein Bruder deinetwegen betrübt ist, ihm Gnade und Geduld zeigen, während er vom Feind versucht wird. Statt ihm ein Wort zu sagen und ihn dadurch noch mehr in Verlegenheit zu bringen, kannst du schweigen und ihm dadurch Gnade erweisen und seine Seele vom Feinde befreien. Wenn dein Bruder dir gegenüber sündigt, kannst du dich seiner erbarmen und ihm seine Sünde vergeben, damit auch dir vom Gotte vergeben wird, denn es ist gesagt:  "Vergebt, so wird euch vergeben." (Lukas 6,37)

Texte des neuen Testaments eröffnen uns, dass unser Herr nicht nur selber Wunder der Liebe und Barmherzigkeit vollbracht, sondern uns auf jede Weise deutlich gemacht hat, wie notwendig die barmherzige Sorge um den Nächsten und Wohltätigkeit sind, wenn mit Demut und ohne jeglichen Unterton von Eitelkeit und Ehrsucht. Der Wohltäter hat sich allein von Gottesliebe und Nächstenliebe leiten zu lassen, ohne Selbstbewunderung wegen der vollbrachten Wohltaten.

Dieses Prinzip wird auch in der Bergpredigt Christi ausgedruckt, niedergeschrieben vom heiligen Apostel und Evangelisten Matthäus: "Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten". (Matthäus 6, 1-4). Das Almosen soll folglich nicht nur anderen Menschen verborgen bleiben, sondern im gewissen Sinne auch dem Wohltäter selbst, damit die Wohltat kein Anlass zum Eigenlob wird. Vom Gotte wird selbstverständlich nur die legale Gabe entgegengenommen. Das heißt, man soll "dem Cäsar geben, was des Cäsars ist", Steuern und Abgaben entrichten und erst danach gottgewollte Wohltaten beginnen.

In allen Epochen des Christentums waren die wahren Asketen Seiner Kirche unentwegt bestrebt, ihre großzügigen Wohltaten nach Gebot des Erlösers sowohl vor den Empfängern der Hilfe als auch vor allen anderen Menschen geheim zu halten. Ein hervorragendes Beispiel dafür liefert uns das Leben und Tun des heiligen Nikolaus des Wundertäters, Erzbischofs von Myra, des von Christen aller Welt am meisten verehrten Heiligen, der von dankbaren orthodoxen Gläubigen den Namen des Wohltätigkeitsapostels bekommen hat. Als der heilige Nikolaus zum Bischof gewählt wurde, hat er für die Gemeinde viele gute Wohltaten vollbracht. Als seine Eltern starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme.

Die nächste Legende zeugt von seiner außerordentlichen Demut und Bescheidenheit. Es war in Patara ein armer Mann mit drei schönen Töchtern. Er war dermaßen besitzlos, dass er seine Töchter nicht verheiraten konnte. Und die Not kann einen Menschen ohne wahren christlichen Glauben aber wirklich zu weit führen! Dem armen Vater fiel der furchtbare Gedanke ein, die Ehre der Töchter aufzuopfern und so eine ausreichende Mitgift zu besorgen.

Ikone des heiligen Nikolaus des Wundertäters in Vita

Im Laufe vieler Jahrhunderte
wird der heilige Nikolaus nirgends so verehrt,
wie in der Russischen orthodoxen Kirche. Es gab in Russland
keine Stadt ohne eine Nikolaus-Kirche. Es gab und gibt jetzt
keine gläubige Familie ohne eine Nikolaus-Ikone.

Es war aber zum Glück in der Stadt ein guter Hirte, der heilige Nikolaus, der über die Nöte seiner Nächsten wachte. Gott offenbarte ihm die verbrecherische Absicht des armen Vaters, und Nikolaus  beschloss, ihn vor körperlicher Armut zu retten und dadurch die ganze Familie vom geistigen Tod zu erlösen. Er wollte aber seine Wohltat so vollbringen, dass sie niemandem, nicht einmal dem Empfänger der Hilfe bekannt wurde.

Er nahm einen Beutel mit Gold und kam um Mitternacht, wo alle schliefen und ihn nicht sehen konnten, zum Haus des armen Vaters, warf den Beutel durchs Fenster ins Zimmer und ging schnell nach Hause. Am Morgen fand der Vater das Gold, konnte aber nicht wissen, wer sein heimlicher Wohltäter war. Er dachte, dass ihm die Hilfe durch das Walten Gottes kam, dankte dem Herrn und konnte bald die ältere Tochter verheiraten.

Als der heilige Nikolaus sah, dass seine Wohltat gute Früchte brachte, führte er sein Tun weiter und warf in der nächsten Nacht den zweiten Beutel mit Gold in das arme Haus.

 

Rettung dreier Jungfrauen

Der Vater verheiratete bald die zweite Tochter und hoffte, dass der Herr auch der dritten Tochter Seine Gnade erweisen wird. Er wollte aber unbedingt erfahren, wer sein heimlicher Wohltäter war und ihm gebührend danken. Deswegen schlief er nicht und wartete auf seinen Besuch.

Er musste nicht lange warten: bald kam der gute Hirte Christi zum dritten Mal. Der Vater hörte den Beutel mit Gold fallen, lief aus dem Haus und holte seinen heimlichen Wohltäter ein. Er erkannte den heiligen Nikolaus, fiel ihm zu Füßen, küsste sie und dankte ihm als Erlöser vom geistigen Tode.

Im Laufe vieler Jahrhunderte wird der heilige Nikolaus nirgends so verehrt, wie in der Russischen orthodoxen Kirche. Es gab in Russland keine Stadt ohne eine Nikolaus-Kirche. Es gab und gibt keine gläubige Familie ohne eine Nikolaus-Ikone. Warum ist der heilige Nikolaus in Russland wie in keinem anderen Land beliebt? Nicht nur für seine Liebe zur Kirche und zum Heiligtum. Nicht nur für seinen heiligen Eifer zur Wahrheit Gottes, für sein fast kindisches Vertrauen in das Walten Gottes. Der Herr wusste, welche Leiden auf Russland warten, und dass Nikolaus der Gnädige "das unerschöpfliche Meer an Wundertaten" dort wird vollbringen müssen, wo seine Nothilfe am meisten benötigt wird. Das russische Volk wird von der größten Versuchung besucht werden - sich mit weltlichen Schätzen verführen zu lassen und die himmlischen Schätze zu vergessen, so dass am Ende das Himmlische wie das Irdische eingebüßt und keine Hoffnung auf Selbstrettung bestehen wird.

Der Name Nikolaus bedeutet auf Griechisch "Sieger über das Volk". Welche Kraft muss man haben, um das Volk zu besiegen, um nicht nur des menschlichen Leibes und Tuns, sondern auch seiner verborgenen Gedanken und Wünschen Herr zu werden! Wir wissen, dass die Vorläufer des Widerchristen, bevor sie die Menschen  physisch gefangen nehmen, immer versuchen, über die Menschenseele Oberhand zu gewinnen und dass es ihnen manchmal gelingt, einen scheinbaren Sieg über Millionen Köpfe und Herzen zu erringen.

Christus spricht von falschen Hirten der Menschheit, die kommen, um zu stehlen, zu töten und zu vernichten, und erinnert uns daran, wessen Stimme erkennen und wessen Stimme gehorchen die Schafe, selbst wenn sie noch nicht aus diesem Stall, noch nicht in der Kirche sind. Unser Sieg wird erst dann kommen, wenn wir uns selbst, unsere Sündhaftigkeit, unsere Selbstsucht  besiegen, wenn wir vom Herrn durch Seine Liebe besiegt werden. Dann werden wir erfahren, dass die Heiligen und alle Christen diejenigen NIKOLAUSE sind, die das Volk mit wahrer Güte besiegen. In der Tiefe seiner Seele verachtet unser Volk die Gewinnsucht und die Kalkulation, die ihm heute als Norm aufgezwungen werden, legt aber großen Wert auf Güte, Großzügigkeit und Barmherzigkeit, die in seiner Seele immer Einklang finden.

"Seid barmherzig" zieht sich als roter Faden durch das ganze Evangelium (die ganze Verkündigung) Christi. Diese Barmherzigkeit erstreckt sich von den Größten bis zu Geringsten und Nichtigen, vom tief in der Seele Verborgenen bis zum Äußeren, es wird sogar ein Becher kalten Wassers nicht vergessen: "Und wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unbelohnt bleiben" (Matthäus 10,42). Nicht umsonst war die Predigt der Jünger Jesu immer und vor allem die Predigt der Liebe und der Wohltat. "Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen". (1.Johannes 4,12)

Ikone Jesu Christi

Wenn wir unseren Nächsten Gutes tun, tun wir somit Gutes für den Gott. So spricht unser Herr Jesus Christus: "Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25,35-36,40)

"Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen", verkündet der Herr in der Bergpredigt (Matthäus 5,7). Im Evangelium wird der Wohltäter mit der Sonne verglichen, die ohne Unterschied über Böse und Gute aufgeht. ("er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" (Matthäus 5,45). Die Barmherzigkeit und die Wohltätigkeit sollen nicht nur Freunden, sondern auch Feinden gelten.

 

"Soll jeder auch nur wenig
für seine Lebensbedürfnisse bekommen,
so müssen alle zugleich ihr Vermögen verteilen
und an die Armen geben."
Warum bist du reich und dein Nächster
arm? Gewiss nur dafür allein,
dass deine Güte und
dein uneigennütziges Wirtschaften
belohnt werden, und der Arme
mit großzügigen Gaben
zufrieden gestellt wird,
die ihm für seine Langmut zustehen?

 

Der heilige Basilius der Große (Basilius von Caesarea)

 

Die von Jüngern Jesu gegründete und von Bruderliebe beseelte Kirche folgte Seinen Geboten mit ihrer ganzen Tatkraft. In der Schatzkammer der Werke der Kirchenväter finden wir zahlreiche wundervolle Gedanken über die sehr bedeutsame Rolle der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit im christlichen Leben. So schrieb Tertullian: in unserer Sorge für Hilflose, unserer wirksamen Liebe für unsere Feinde "besteht die uns eigentümliche und vollkommene Güte, die nicht die gewöhnliche ist". Im zweiten Brief Clemens von Alexandrien heißt es: "Also ist auch die Buße eine gute Tat des Glaubens, gut ist Fasten mit Gebet,  Almosen und Glaubenserweisungen sind königliche Schutzwachen"

"Es werde unsere Barmherzigkeit zum Spiegel", lesen wir bei dem heiligen Isaak von Syrien, - "damit wir in uns selber das wahre Vor- und Ebenbild sehen, dass in der Natur und im Wesen Gottes vorhanden ist." Der heilige Clemens von Alexandrien lehrt: "Unser Herr erlaubt euch nicht, die Armen dazu zu treiben, dass sie nach euch suchen und um Almosen bitten. Nein, ihr sollt selbst suchen, für wen ihr Wohltaten vollbringen werdet."

Der heilige Basilius der Große beweist die Wohltätigkeit mit seinem eigenen Beispiel. Er spendet sein Vermögen den Armen und spricht in seinen Predigten unermüdlich über die Grenzen des Besitzens, indem er nicht den Reichtum als solches an den Pranger stellt, sondern die eigennützige, unrechte Handhabung des Reichtums: "Über Notwendigkeit besitzen heißt Arme benachteiligen, heißt stehlen".

Basilius der Große war ein guter Menschenkenner und verstand sehr gut, dass auch Reiche fromm und mäßig sein können, ihnen doch oft Mitleid für Elend der Armen fehlt, und bemerkte dazu "Die Tugend, die den Reichen am besten passt, die Tugend der Barmherzigkeit, fällt ihnen am schwersten". Basilius der Große hat die soziale Gerechtigkeit nicht nur gepredigt, sondern auch in die Tat umgesetzt, indem er praktisch bewiesen hat, wie die Armut durch Wohltaten besiegt werden kann. Er gründete nicht weit von Caesarea in Kappadokien die geistliche Stadt "Basilias" - nicht nur mit einer wunderschönen Kathedrale, sondern auch mit Aussätzigenasyl, Armenheimen, Krankenhäusern mit separaten Räumen für Infektionskranke. Später kamen dazu Wohnzimmer für Handwerker und Dienerschaft, es wurde ein Musterlandgut mit kostenloser Verpflegung.

 

 

Der heilige Isaak von Syrien

In seiner "Sechsten Predigt gegen Raffgier" hat Basilius der Große zur Wohltätigkeit aufgerufen: "Soll jeder auch nur wenig für seine Lebensbedürfnisse bekommen, so müssen alle zugleich ihr Vermögen verteilen und an die Armen geben. Warum bist du reich und dein Nächster arm? Vielleicht nur dafür allein, dass deine Güte und dein uneigennütziges Wirtschaften belohnt werden, und der Arme mit großzügigen Gaben zufrieden gestellt wird, die ihm für seine Langmut zustehen?" "Wie der Getreidesame in der Erde sich zugunsten des Bauers vermehrt, - zeugt der heilige Basilius der Große, - so bringt das Brot, dem Hungrigen gegeben, hundertfachen Nutzen. Es werde für dich deshalb das Ziel des Ackerbaus zum Beginn der himmlischen Saat".


Ähnliche Gedanken äußert der Gefährte und Freund des heiligen Basilius - der heilige Gregor "der Theologe": "Nimm dir ein Beispiel an der Gottesliebe zum Menschen. Das ist wahrlich das Göttlichste im Menschen - wenn er Gutes tut. Borge dem Gott die Gnade: bislang hat keiner büßen müssen, wer dem Gotte etwas gegeben hat."

Nach der Lehre des heiligen Gregors des Theologen, "nichts bringt den Menschen näher an den Gott, als die Wohltätigkeit". Er sagt weiter: "Arme sind Krieger. Sie nehmen Almosen entgegen und machen den Herrn barmherzig, sie zerrütten nicht die Ränke der Barbaren, sondern die der Dämonen; sie verhindern die Verstärkung des bösen Geistes und seine unablässigen Angriffe und entkräften ihn".



Mit gleicher Inbrunst sorgte für die Nächsten der heilige Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus. Viele Male erstreckte er seine schützende Hand über Arme und Leidende, rettete vor Hunger und Verdursten. Ihm war die Habgier der Reichen zuwider. Als er von der Menschenwürde der Armen und von Grenzen des Eigentums sprach, klangen seine Worte vernichtend: "Deine Maultiere stehen satt im Stall, Christus verhungert aber an deiner Schwelle". Er stellt Christus als einen Armen dar und spricht aus seinem Munde: "ich könnte mich selbst ernähren, besser werde ich aber als Bettler wandern und um Almosen bitten, damit du für mein Essen sorgst. Und ich mache so aus Liebe zu dir".

"Die Almosengabe ist wahrlich die Königin, die die Menschen gottesähnlich macht, - sagt der heilige Johannes Chrysostomus. - Sie ist leicht und beschwingt, mit goldenen Flügeln, und ihr Flug ergötzt die Engel. Sie fliegt wie die Taube, golden und lebendig, mit zartem Blick und sanftmütigem Auge. Es gibt nichts schöner als dieses Auge". Und an einer anderen Stelle: "Die Almosengabe ist das Lösegeld für die Seele. Vor Gottesgericht wird die Almosengabe auferstehen und dich erlösen".

 

"Die Almosengabe ist wahrlich
die Königin, die die Menschen
gottesähnlich macht. Sie ist leicht
und beschwingt, mit goldenen Flügeln,
und ihr Flug ergötzt die Engel.
Sie fliegt wie die Taube, golden
und lebendig, mit zartem Blick
und sanftmütigem Auge. Es gibt nichts
schöneres als dieses Auge". Und
an einer anderen Stelle: "Die Almosengabe
ist das Lösegeld für die Seele. Im jüngsten
Gericht wird die Almosengabe auferstehen
und dich erlösen".

Der heilige Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus

Die Wohltaten sind ihrer Natur nach der Weg zum Glauben, der Weg zu Gott. Davon zeugt das Beispiel des Heiden Kornelius, der Hauptmann der römischen Armee war: "Deine Gebete und deine Almosen sind vor Gott gekommen und er hat ihrer gedacht" (Apostelgeschichte 10,4). Oder die Vita des grausamen  Petrus "des Brotwerfers", der einmal ein Stück Brot in einen Bettler geworfen hat. Dann wurde ihm im Schlaf offenbart, dass genau dieses Stück Brot am Tage des Jüngsten Gerichts in die Waagschale der guten Taten geworfen und ihn vor der endgültigen Verurteilung retten wird. Er war so sehr von diesem Wunder erschüttert, dass er begann, sein Reichtum großzügig den Armen zu geben und sein Herz in die Wohltaten einzutauchen, wie der heilige Isaak von Syrien sagte, bis sein Herz die Barmherzigkeit spürte, die der Herr für die Welt empfindet. Am Ende hat er sich, ähnlich wie Christus, anstelle eines anderen Menschen in die Sklaverei verkauft.

Der heilige Martin von Tours, der noch ungetaufte Soldat der römischen Armee, begegnete im Winter, der ungewöhnlich rau war, einem frierenden Bettler am Stadttor. Martin hatte kein Geld und trug nichts als den Soldatenmantel. Er zog also das Schwert, mit dem er umgürtet war, schnitt seinen abgetragenen Soldatenmantel mitten durch und gab die eine Hälfte dem Armen, die andere legte er sich selbst wieder um. In der folgenden Nacht erschien Christus, mit dem Mantelstück bekleidet und von der Engelschar umgeben, dem Martin im Schlafe. Ein Engel fragte Ihn: "Oh Herr, warum hast Du diesen alten schäbigen Mantel an, wer hat ihn Dir gegeben?". Und der Herr sagte, erfüllt vom unsagbaren Licht: "Mein Diener Martin, obwohl erst Katechumener, hat mich mit diesem Mantel bekleidet und Ich werde ihn dafür mit Gewand des himmlischen  Segens bekleiden".



Die Wohltätigkeit ist ein Zustand der Menschenseele, wenn man sich nicht als eine vollwertige Persönlichkeit fühlen kann, ohne den Menschen mit der ganzen Kraft und Freude zu helfen, heimlich, uneigennützig, ohne auf Ruhm und Belohnung zu warten. Es ist dabei absolut unwichtig, um welchen Geldbetrag es geht. Wie angenehm sind aber die Geldausgaben für eigenen Bedarf, für Erholung und schöpferische Privatinteressen, nachdem man Armen und Bedürftigen mit der ganzen Kraft geholfen hat, wenn das Gewissen ruhig ist. Wer diesen Zustand bislang nicht genießen durfte - versucht, und ihr werdet nie mehr darauf verzichten wollen. Das ist jedem von uns notwendig. Geben bringt immer mehr Freude als Nehmen. Geschäftsleute, die praktische Wohltaten vollbringen, wissen sehr gut, wie das Walten Gottes das Hundertfache des vom Herzen Gespendeten zurückgibt und dadurch für neue Wohltaten beflügelt und ermutigt.

Der heilige Martin von Tours

Nachdem wir die Ideen der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit im Erbe der Kirchenväter, das auf dem Evangelium der Liebe unseres Herrn Jesu Christi beruht, betrachtet haben, ist verständlich, warum die Wurzeln der russischen Wohltätigkeit am Wendepunkt unserer Geschichte liegen, wo sich Altrussland zum Christentum bekannt hat.

Als in Russland das Licht der Wahrheit Gottes aufgegangen war, hat die Kirche in das öffentliche Bewusstsein den Gedanken über die Sorge für Besitzlose hergebracht. Zum ersten Ausdruck der christlichen Nächstenliebe und Barmherzigkeit wurde das Almosengeben an die Armen. Von Anfang an kennen wir die Wohltätigkeit auch in Form von Spenden für Kirchenbau. So hat der heilige und apostelgleiche Großfürst Wladimir in Kiew eine der Heiligen Gottesgebärerin geweihte Kirche errichtet. Diese Kirche wurde zum Ort der Hilfe für alle Bedürftigen - durch die Verordnung des Fürsten wurde aus dem staatlichen Haushalt ein Zielbetrag für Ernährung von Bettlern, Witwen und Waisen bereitgestellt. Außerdem konnte jeder Bedürftige nach Angaben der russischen Annalen in das Haus des Fürsten kommen und dort alles Notwendige bekommen.

Der Großfürst Jaroslaw Wladimirowitsch, der 1016 den Thron bestieg, ergänzte das Kirchengesetzbuch und die Landständesatzung um besondere Abschnitte über die Wohltätigkeit. Er gründete und trug auf eigene Kosten eine Lehranstalt für Waisen, wo 300 Kinder Unterkunft, Verpflegung und Ausbildung erhielten. Seine Söhne Isiaslaw und Wsewolod setzten die wohltätigen Traditionen ihres Vaters fort.

 

Der heilige apostelgleiche
Fürst Wladimir

Immer half den Mittellosen und Kranken der Fürst Wladimir Monomach - Sohn von Wsewolod und Enkel des Jaroslaw: er verteilte sein Geld großzügig an Bedürftige und rief seine Kinder und sein Kriegsgefolge auf, seinem Beispiel zu folgen: "Ihr sollet Fremdlingen und Bettlern zu essen und zu trinken geben, wie die Mutter ihren Kindern gibt, Beleidigte erlösen, Waisen schützen, Witwen rechtfertigen".

Die Schwester von Wladimir Monomach, Anna Wsewolodowna, gründete und finanzierte  aus eigenen Mitteln in Kiew eine Frauenlehranstalt für alle Stände und unterrichtete selbst im Lesen, Schreiben und Handwerk. Der Fürst Andrej Bogolübskij ließ Essen durch die Straßen fahren und unter Armen verteilen.

Der Großfürst Michail Jaroslawitsch lehrte seinen Sohn: "Du darfst Fremdlinge und Bettler nicht außer Acht lassen, denn das ist dem Herrn gefällig". Der heilige Fürst Alexander Newskij kaufte auf eigene Kosten russische Gefangene frei. Der heilige Fürst Dmitrij Donskoj half Brandgeschädigten beim Neubau und gab viele Almosen.

Die Wohltätigkeit galt als unabdingbare Voraussetzung für die persönliche moralische Gesundheit und Rettung im Himmelreich. "Ins Paradies kommt man durch heilige Almosen, - sagten die Menschen, - der Arme ernährt sich am Reichen, der Reiche wird durch das Gebet des Armen gerettet". Nach Meinung des berühmten russischen Historikers Klütschevskij war das Almosengeben "eine Ergänzung des kirchlichen Gottesdienstes, eine praktische Erfüllung der Regel, dass der Glaube ohne Taten tot ist".

Mit der Zeit fand die Wohltätigkeit unter verschiedenen historischen Umständen neue Formen, vom unmittelbaren Almosengeben bis zur Gründung großer wohltätiger Institutionen, die ihre Arbeit der öffentlichen Fürsorge als einer der wichtigsten Branchen der staatlichen Verwaltung widmeten. Sie beruhte aber bei aller Formverschiedenheit immer auf dem Streben nach Erfüllung des zweiten unter zweien wichtigsten Geboten Christi, in denen das ganze Gesetz und alle Propheten beschlossen sind - des Gebotes der Nächstenliebe.

Einen großen Platz nahm die Wohltätigkeit im weltlichen Dienste der Russischen Orthodoxen Kirche ein. Die russischen Klöster verteilten unter Bettlern Kost und Almosen und schufen neben dem Klostergelände Räume für pflegebedürftige alte und kranke Menschen. Der ehrwürdige Theodosios vom Kiewer Höhlenkloster hat ein Zehntel der Klostereinkünfte für Arme bestimmt und ein Armenheim für Bettler und Krüppel eingerichtet.

Der ehrwürdige Joseph von Wolokolamsk schrieb in seinem Buch "Der Aufklärer": "Sei ehrwürdig und weise, Tröster für Leidende, Ernährer für Bettler, empfange Fremdlinge, schütze Beleidigte, sei großzügig, gnädig, in deinen Antworten süß und sanft". Während der Hungersnot öffnete der ehrwürdige Joseph die Getreidespeicher des Klosters für Verhungernde, sorgte für Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden, organisierte Waisenhäuser.

 

 

"Sei ehrwürdig und weise,
Tröster für Leidende,
Ernährer für Bettler,
empfange Fremdlinge,
schütze Beleidigte,
sei großzügig, gnädig,
in deinen Antworten süß und sanft".
Der ehrwürdige
Joseph von Wolokolamsk

Im Großen und Ganzen beschränkte sich die Wohltätigkeit unter Herrschaft der Rurikowitschs hauptsächlich auf die Verteilung von Essen und Kleidung, Unterkunft und Krankenbehandlung. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts begann in unserem Land nach Beschlüssen der Moskauer Hundertkapitelsynode vom 1551 der Übergang von der Wohltätigkeit als Privatsache der Herrscher und Initiative der Kirche zu einer allmählichen Entwicklung eines öffentlichen Fürsorgesystems. Die Synode hat beschlossen: "Wahrlich Bedürftige, Aussätzige und Alte sind von anderen Bettlern abzutrennen, in allen Städten zu registrieren; für sie sind aus Privatalmosen Armenhäuser für Frauen und Männer unter Obhut guter Priester und Beamter einzurichten".

Seit dieser Zeit hat die Wohltätigkeit ihren Platz im System der staatlichen Politik eingenommen. Es wurden spezielle staatliche karitative Anstalten gegründet (wie Armenhäuser in vielen Städten). Und die Orthodoxe Kirche hat deutlich gezeigt, dass Barmherzigkeit und Wohltätigkeit im Wertsystem  der russischen Orthodoxie nach wie vor sehr hoch stehen - so trugen Klöster und einzelne Gemeinden Schulen, Kranken- und Waisenhäuser, eröffneten Bibliotheken, verteilten kostenloses Essen.

 

Kaiserin
Jekaterina die Große

Zar Alexej Mihajlowitsch

Das staatliche System der öffentlichen Fürsorge entfaltete sich weiter während der Romanov-Dynastie. Russische Zaren haben vor großen Festen am frühen Morgen Kranken- und Armenhäuser besucht, wo sie unter diesen Menschen eigenhändig Almosen verteilten. Die Legende erzählt, wie der Zar Alexej Michajlowitsch in bescheidener Kleidung persönlich arme Häuser besuchte, nach Mängeln fragte und dann die nötige Hilfe leistete. Am Sonntag besuchte er Arrestanten im Kerker. Unter seiner Herrschaft erhielt jeder Bettler viereinhalb Rubel Jahresgeld.

Besonders große Aufmerksamkeit schenkten der Wohltätigkeit die Kaiserin Jekaterina die Große, die in Russland die erste karitative Gesellschaft  "Erziehungsgesellschaft für adelige Töchter" stiftete und dann spezielle Institutionen für sozialen Schutz  "Prikas für öffentliche Fürsorge" gründete, sowie die Gemahlin des Kaisers Pauls des Ersten, die Kaiserin Maria Theodorowna, die eine ganze Kette wohltätiger Anstalten leitete, welche als "Anstalten der Kaiserin Maria Theodorowna" bekannt waren und für Kinder, Behinderte, Witwen und Alte sorgten.

Kaiserin
Maria Theodorowna

Seine weitere Entwicklung erlebte das russische Wohltätigkeitssystem im 19. Jh. Kaiser Alexander der Erste gründete 1802 die "Wohltätige Gesellschaft", welche im Jahre 1816 auf Wunsch der Kaiserin Jelisaweta Alexejewna in die "Kaiserliche Gesellschaft der Menschenliebe" reorganisiert wurde. Der erste Kurator dieser Gesellschaft war der Oberprokuror des Heiligen Synods Fürst Golizyn. Später wird den bedeutendsten Wohltätern und Spendern der Titel "Ehrenkurator" verliehen. Wohltaten jener Zeit haben ihre Spur für viele Jahre hinterlassen - so benutzt heute das berühmte Moskauer Sklifossovski-Institut für Notfallmedizin das Gebäude, das vom Ehrenkurator Grafen Scheremetjev als Krankenhaus für Arme erbaut wurde.

Unter Kaiser Nikolaus dem Ersten wurde die" Gesellschaft für Armenbesuch" gegründet, an deren Anfängen der hervorragende russische Kulturschaffende jener Epoche Fürst Odojevskij stand. Fruchtbaren Boden für die Entwicklung der Wohltätigkeit in Russland schufen die berühmten gesellschaftlichen Reformen, die unter Alexander dem Zweiten in den 60-er Jahren durchgeführt wurden.

Doch das wichtigste Fundament der Wohltätigkeit blieb nach wie vor die private Initiative und Tatkraft. Hier sind die Demidovs - berühmte russische Industrielle zu erwähnen. Pawel Demidov unterstützte bereits unter Jekaterina der Großen die Ausbildung in Russland.

So spendete er der vor kurzem gegründeten Moskauer Universität 100.000 Rubel und schenkte seine private Bibliothek und Sammlung der Kunstraritäten. Sein Vetter N. Demidov gab sein Haus und Grundstück in der Wosnessenskaja-Straße in Moskau für die Gründung eines Arbeitshauses her. Später wurden diese Räume für das Jelisaweta-Institut für adelige Töchter benutzt. Auf Kosten eines weiteren Demidovs wurden eine Kommerzschule am Moskauer Erziehungshaus und eine Pension an der Moskauer Universität gegründet.

 

 

Kaiser Alexander der Erste

 

Pawel Demidow

Ganz besonders durfte die private Wohltätigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erblühen, wo etwa 95% aller karitativen Stiftungen gegründet wurden. Dank der schnellen Entwicklung von Handel und Industrie wandten sich immer mehr Kaufleute und Unternehmer den Wohltaten  zu. Viele karitative Anstalten wurden nach deren Gründern genannt, unter den berühmtesten sind die Tretjakov-Galerie, das Morosov- und Bachruschin-Krankenhaus, die Alexejev-Augenklinik und das psychiatrische Alexejev-Hospital, das Rukawischnikov- und das Masurin-Heim zu nennen.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte auch die kirchliche Wohltätigkeit ihren neuen Aufschwung. Als neue Form entstand die Bewegung der barmherzigen Schwestern. Bereits 1844 wurde in Sankt Petersburg die europaweit erste Frauengemeinde der Heiligen Dreifaltigkeit gegründet, wo barmherzige Schwestern für Kranken- und Verwundetenpflege ausgebildet wurden. Das Beispiel der selbstlosen Tätigkeit der barmherzigen Schwestern im Krimkrieg förderte die Gründung im der russischen Gesellschaft der Fürsorge für verwundete und kranke Krieger Mai 1867. Aus dieser Gesellschaft entstand nach weiteren 12 Jahren die Russische Rotkreuzgesellschaft

Vor Anfang des ersten Weltkrieges wurden über Einhundert ähnliche Gemeinden gegründet, Mitte 1917 arbeiteten in Hospitälern und Lazaretten  etwa 30 Tausend barmherzige Schwestern, davon entstammten 20 Tausend den Eparchiegemeinden. Die Gemeinden barmherziger Schwestern wurden etwa zu weltlichen Nonnenklöstern ohne die obligatorische Nonnenweihe.

 

Graf Scheremetjev

Hier lässt sich die Tätigkeit des heiligen Gerechten Johannes von Kronstadt nicht übersehen, der 1882 in Kronstadt ein Arbeitshaus gründete, wo gegen Anfang des 20. Jahrhunderts über 7.000 Menschen arbeiteten. Dort gab es eine kostenlose medizinische Behandlung, Arme erhielten Mittagessen und Geldunterstützung.


Viele Wohltaten vollbrachte die heilige Großfürstin Jelisaweta Theodorowna, die bereits 1893 die wohltätige Jelisaweta-Gesellschaft für Kinder mittelloser Eltern gründete. Im Jahre 1907 schuf sie eine Gemeinde barmherziger Schwestern (seit dem 10.Februar 1909 das berühmte Martha-Maria-Kloster) mit Krankenhaus, Ambulanz, Apotheke, Waisenhaus, Sonntagsschule für 75 Mädchen und Frauen, Kantine für Arme. Die Schwestern fanden Arbeit für Arbeitslose, passten auf Kinder auf, pflegten Kranke, verteilten materielle Hilfe.

 

Die heilige Großfürstin
Jelisaweta Theodorowna

Der heilige gerechte
Johannes von Kronstadt

Unter der Sowjetzeit war die Wohltätigkeit verboten, weil der Staat das gesamte soziale Leben zu monopolisieren versuchte. Die Wiedergeburt der russischen Wohltätigkeit begann erst vor wenigen Jahren. Schwierig aber gesegnet ist das Bestreben, die Wohltätigkeit in der modernen Welt wiederaufzubauen. "Beeile dich, bis es noch Zeit für Gnade und Erbarmen gibt, - sagte der heilige Philaret von Moskau, - bis die Zeit des unvoreingenommenen Gerichtes noch nicht gekommen ist; sei barmherzig, mache Wohltaten der Menschenliebe, so viel du kannst: und dir wird vergeben, und du wirst selig sein".

Das gültige russische Recht begrüßt die Wohltätigkeit im Prinzip. Das Föderale Gesetz "Über die Wohltätigkeit und wohltätige Organisationen" enthält rechtliche Regelung der Wohltätigkeit, bestimmt mögliche Formen für die Unterstützung der Wohltätigkeit durch staatliche Machtorgane und örtliche Verwaltungsorgane, beschreibt Besonderheiten der Gründung und Arbeit wohltätiger Organisationen in Russland.

Im Ausland werden die Wohltaten von der Legislative aktiv dadurch gefördert, dass Unternehmen 3 bis 10% ihres Bruttogewinns vor der Besteuerung für Unterstützung offiziell eingetragener Wohltätigkeitsorganisationen ausgeben dürfen. Auf diese Weise kann der Staat einen großen Teil der öffentlichen Fürsorge ganz vernünftig auf sozial verantwortliche Unternehmen abwälzen. Die russischen Unternehmen dürfen heute leider keine gespendete Kopeke zu Selbstkosten verrechnen, denn unser Staat gönnt den Unternehmen Wohltaten nur nach Entrichtung aller Steuern und Abgaben.

Trotzalledem wird die Wohltätigkeit immer stärker und effektiver. In Russland schlagen hunderte bedeutende Unternehmer bewusst, aktiv und kontinuierlich diesen Weg ein. Die Namen einiger Demidovs von heute sind bereits in die russische Geschichte eingegangen. So hat Igor Najwalt, Leiter der Baltischen Baukorporation, über 50 orthodoxe Kirchen wiederhergestellt und neu gebaut. Andrey Kosizyn, Generaldirektor der Uralsker Bergbau- und Metallkorporation hat aus eigenen Mitteln so viele Klöster, Kirchen und Kinderanstalten gebaut, dass wir alle einladen, die Webseite unter http://www.ugmk.com zu besuchen und dort diesen Aspekt der Unternehmenstätigkeit kennenzulernen. Diese Liste ist bei weitem nicht komplett.

Diese hervorragenden Menschen aus der Elite des russischen Business lassen sich von der guten orthodoxen Tradition leiten: sie schreien von ihren Wohltaten nicht in der Presse, können aber Informationen, Erfahrung  und Hilfe denjenigen anbieten, wer den Weg der Wohltätigkeit einschlagen will. Dadurch bildet sich in Russland allmählich die Gemeinschaft orthodoxer Mäzene. "Wer Gutes tut, der ist von Gott" (3.Joh,11)

 

Igor Najwalt

Andrey Kosizyn

Im Juli 2000 haben die Starzen von Athos zweien russischen Unternehmern Andrey Bykov und Michail Chepel ihren Segen für die Gründung der Wohltätigkeitsstiftung "Heiliger Nikolaus der Wundertäter" erteilt. Die Stiftung ist in Moskau eingetragen und hat eine Niederlassung in der italienischen Stadt Bari, wo die Gebeine des heiligen Nikolaus aufbewahrt werden.

Die Stiftung ist eine private weltliche nichtkommerzielle Organisation. Bei der Planung und Umsetzung wohltätiger Programme erfüllen wir das Segen unserer geistigen Hirten - der Starzen von Athos. Die Stiftung macht keine Politik, unsere Politik ist die Wohltätigkeit. Wir sind orthodoxe Gläubige im weltlichen Leben, gottergebene Knechte Gottes, wir dienen Russland, dem Reich der Allerheiligsten Gottesmutter. Wir erfüllen die Gehorsamsübung des Unternehmertums und in diesem Buch sind Ergebnisse unserer Arbeit zusammengefasst.

Bekanntlich soll man seine guten Taten nicht ausposaunen lassen, in unserem Fall aber wurde für diese  Publikation ein besonderer Segen erteilt - nach Worten der Starzen beginnt Russland aufzustehen, sein Herz brennt nach guten Taten und man soll zeigen, was getan werden kann. In zehn Jahren ihrer Arbeit hat die Wohltätigkeitsstiftung "Heiliger Nikolaus der Wundertäter" 880 Wohltätigkeitsverträge über 615 karitative Projekte in 50 russischen Gebieten und Regionen und 37 Projekte im Ausland realisiert, weitere 41 Projekte sind in langfristiger Umsetzung. Die Stiftung hat an Errichtung und Wiederherstellung von über 100 Klöstern und Kirchen teilgenommen,  26 Monumente für heilige Beschützer Russlands und angesehene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens errichtet, über eine Million Exemplare verschiedener Druckwerke verbreitet, dutzende Pilgerreisen in Russland und im Ausland organisiert, viele wohltätige Konzerte berühmter Schauspieler, Sänger und Musiker durchgeführt. Wir helfen Kindergärten, Mittelschulen, Schachschulen, schöpferischen Kinderzentren, orthodoxen Priesterseminaren und Missionszentren. Die Wohltätigkeitsstiftung "Heiliger Nikolaus der Wundertäter" leistet Hilfe für Luftwaffe und Marine, Grenzschutz- und Landungstruppen.

"Ein Mensch hat Lust an seiner Wohltat" (Spr. 19, 22).